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,Die Schrillmänner - der erste schwule Chor Karlsruhes - sind durch TV-Auftritte, Tourneen
durch die USA, Konzertreisen durch Deutschland, Teilnahme an internationalen Festivals und Einladungen durch den
Landesmusikrat Baden-Württemberg recht bekannt geworden. Ihre neue CD wird anlässlich ,Schrill im April
vorgestellt. Der Mann, den das begeisterte Publikum meist vor dem schrillen Gesangsverein von hinten sieht, heißt
Edzard Burchards. Er ist ebenso im klassischen Chorwesen beheimatet, indem er zum Beispiel mit seinem eigenen Kammerchor
,consonare während der Monteverdi-Tage Karlsruhe 1993, dessen Marienvesper aufführte.
KlappeAuf-Mitarbeiter Elmar Konrad interviewte den ,obersten Schrillmann.
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KlappeAuf:
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Wie kommt eigentlich ein so für das klassische Chorwesen ernsthaft arbeitender Musiker zu den Schrillmännern?
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E. Burchards:
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Zu den Schrillmännern kam ich 1990 durch einen Freund. Ich sah im Mitsingen bei den Schrillmännern die
beste Möglichkeit für mich, mein Engagement für schwules Leben zum Ausdruck zu bringen. Der damalige
Chorleiter Martin Widmaier legte den Schwerpunkt auf schwulenpolitische Texte, die er zum größten Teil
auch selbst schrieb und vertonte.
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KlappeAuf:
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Nun bist Du seit über zwei Jahren Dirigent der Schrillmänner. Hat sich der Chor in dieser Zeit verändert?
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E. Burchards:
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Verändert haben sich lediglich Äußerlichkeiten. So ist der Chor auf 33 Mitsänger angewachsen, und unser
Auftreten ist viel schriller geworden, wir geben mehr Konzerte als früher und unser Bekanntheitsgrad ist durch die
Medien erheblich gesteigert worden. Der inhaltliche und musikalische Teil hat sich kaum verändert, da Martin
Widmaier auch heute noch die meisten unserer Lieder komponiert oder arrangiert. Tja und schließlich begleitet
uns jetzt eine Frau am Klavier, die ihrerseits einen Lesbenchor aufbaut.
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KlappeAuf:
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In Euren Konzerten sitzt oftmals ein großer Teil heterosexueller Zuhörer. Die sehen nun auf der Bühne ein
ziemlich ausgelassenes Häufchen schrill bis schräg gekleideter Schwuler. Wie glaubst Du, wirkt Ihr bei Euren
Konzerten auf das Publikum?
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E. Burchards:
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Die einen sind begeistert von unserem farbenfrohen Einzug auf die Bühne, meine liebe Freundin Anna, sie singt
in meinem Kirchenchor, findet es hingegen schade, dass viele unserer ernsten und politischen Texte durch unsere
Garderobe entwertet würden. Und noch andere meinen, dass durch uns Klischees bestätigt würden, denn
auf der Bühne stehen Tunten, Lederkerle und was es sonst noch alles qibt... Nein im Ernst, bei den
Schrillmännern singen die verschiedensten Leute mit ihren unterschiedlichen Ansichten von schwulem Leben und
schwuler Liebe. Und genau das wollen wir auch durch unsere Kostüme zum Ausdruck bringen.
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KlappeAuf:
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Also können die Schrillmänner auf keinen Fall als homogen angesehen werden.
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E. Burchards:
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Genau, auch in den Liedtexten sind alle, naja fast alle Aspekte unseres Lebens dargestellt.
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KlappeAuf:
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Kann man von den Schrillmännern eigentlich als einem Motor der schwulen Bewegung in Karlsruhe sprechen?
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E. Burchards:
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Den Motor der schwulen Bewegung kann es gar nicht geben, da die homosexuelle Welt zu heterogen ist
und es dadurch der verschiedensten Motoren bedarf. Jeder trägt auf seine Art einen Teil dazu bei und die
Schrillmänner tun das eben auf ihre Weise. Natürlich stehen wir durch unsere Auftritte mehr in der
Öffentlichkeit und haben dadurch ein gewisses Ansehen erlangt.
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KlappeAuf:
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Und wie steht's mit der Behandlung außerhalb der schwulen Welt?
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E. Burchards:
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Nun ich habe gehört, einer unserer größten Fans sei der Oberbürgermeister Gerhard
Seiler. Das freut uns ungemein und wir haben von der Stadt Karlsruhe auch schon finanzielle Unterstützung
für unsere USA-Reise bekommen. Wir werden aber in dieser sich ihrer badischen Liberalität rühmenden
Stadt ziemlich totgeschwiegen, vor allem was die örtliche Tagespresse angeht. Zum Bespiel finden unsere Konzerte
in den BNN keinerlei Erwähnung. Auch der Badische Sängerbund, der ja bekanntlich Männerchören sehr
wohlgesonnen ist, hat so seine Probleme mit uns. Doch genug gejammert, damit muss man sich eben auseinandersetzen.
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KlappeAuf:
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Und wie meinst Du, könnte man sich damit auseinandersetzen?
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E. Burchards:
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Indem wir dabei sind, ein gemeinnütziger Verein zu werden. Durch diesen Status ist es für
uns leichter, an verschiedene Organisationen, Behörden, Gremien aber auch an die Presse heranzutreten.
Das Hauptproblem dabei ist wohl, dass offizielle Personen eine gewisse Scheu gegenüber schwulen Gruppen haben.
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KlappeAuf:
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Wenn also viele der offiziellen Personen noch ziemliche Schwierigkeiten mit dem Thema Schwulsein haben,
scheint das ja für Dich auch ein paar Probleme zu bringen. Wie siehst Du das als offen lebender Schwuler für Deine
anderen Tätigkeiten und Engagements?
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E. Burchards:
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Von solchen Problemen, auf die Du vielleicht anspielst, habe ich noch nichts mitbekommen.
Neben den Schrillmännern leite ich noch zwei Kirchenchöre. Viele Mitglieder dieser Chöre wissen,
dass ich schwul bin und haben keine Schwierigkeiten damit, ja sie besuchen sogar Schrillmännerkonzerte.
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KlappeAuf:
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Gibt es denn zwischen einem Kirchenchor und den Schrillmännern unüberbrückbare Unterschiede?
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E. Burchards:
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Von meiner Position ausgehend nicht. Ich arbeite mit den Schrillmännern genauso
seriös und intensiv wie mit meinen Kirchenchören oder consonare.
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KlappeAuf:
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Könntest Du Dir vielleicht sogar ein gemeinsames Konzert Deiner Chöre vorstellen?
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E. Burchards:
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Soweit möchte ich in meiner Euphorie vielleicht doch nicht gehen. Aber man soll nie nie sagen.
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KlappeAuf:
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Ja, wie sieht dann Deine zukünftige Lebens- und Berufsplanung aus?
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E. Burchards:
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Nun, im Oktober dieses Jahres werde ich mein Musikstudium beenden und dann muss ich mich nach Chören umschauen,
von denen ich als Dirigent hauptberuflich leben kann. Falls ich in Karlsruhe bleiben kann, was ich sehr hoffe,
da hier auch ein mir sehr innig verbundener Mann lebt, werde ich auch weiterhin den Schrillmännern
sehr gerne als Dirigent zur Verfügung stehen.
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KlappeAuf:
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Dann wünsch' ich Dir alles Gute, viel Glück und für das Schrillmännerkonzert
am 21.April im Tollhaus viel Spaß und Erfolg.
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